Retrofit in Frankreich: Warum die Gesetze nicht mithalten

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Ein Traum von Elektromobilität scheitert an der Bürokratie

Die Geschichte von Laurent Schmidt und seinem Renault Avantime steht beispielhaft für die regulatorischen Hürden, die die Verbreitung des E-Auto-Retrofit in Frankreich blockieren. Sein Vorhaben, das ikonische Fahrzeug mit einem modernen Elektroantrieb auszustatten, stieß nicht auf technische, sondern auf gesetzliche Grenzen. Dieses Einzelschicksal wirft ein grelles Licht auf ein systemisches Problem: eine veraltete Gesetzgebung, die mit der Innovationsgeschwindigkeit nicht Schritt hält.

Das Kernproblem: Starre Typgenehmigungen

Der Hauptkonfliktpunkt liegt im französischen und europäischen Typgenehmigungssystem. Ein Fahrzeug wird für eine spezifische Antriebskonfiguration zugelassen. Jede tiefgreifende Änderung, wie der vollständige Austausch des Verbrennungsmotors gegen einen Elektroantrieb, erfordert de facto eine neue, vollständige Genehmigung. Dieser Prozess ist extrem kostspielig, zeitaufwendig und für Einzelpersonen oder kleine Werkstätten praktisch undurchführbar. Die Gesetze sind für die Massenproduktion von Neufahrzeugen gemacht, nicht für individuelle Umbauten.

Die Folgen der regulatorischen Blockade

Diese veralteten Vorschriften haben mehrere negative Konsequenzen. Sie ersticken eine potenziell blühende Kreislaufwirtschaft, bei der alte Fahrzeuge nachhaltig aufgewertet werden könnten. Sie verhindern den Erhalt automobiler Kulturgüter mit sauberem Antrieb und bremsen die Entstehung eines innovativen Handwerks- und Ingenieurssektors für Retrofit-Lösungen aus. Während andere Länder wie Deutschland mit der Einführung einer Einzelabnahme (Einzelgenehmigung) für Elektro-Umbauten pragmatischere Wege gehen, bleibt Frankreich in einem restriktiven Ansatz verhaftet.

Ein Blick über die Grenzen: Andere Wege sind möglich

Die deutsche Regelung zeigt, dass Sicherheit und Innovation kein Widerspruch sein müssen. Durch klare technische Vorgaben für Komponenten wie Batterie, Elektromotor und Sicherheitssysteme, gepaart mit einer gründlichen Prüfung des umgebauten Einzelfahrzeugs, kann ein sicherer Betrieb gewährleistet werden. Dieser Ansatz fördert Technologie-Offenheit und schafft wirtschaftliche Perspektiven. Die französische Gesetzgebung hingegen wirkt wie ein Bremsklotz, der nicht nur individuelle Projekte wie das von Laurent Schmidt stoppt, sondern auch den ökologischen Wandel im Mobilitätssektor unnötig verlangsamt.

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