E85: Der günstige Biokraftstoff mit Imageproblem
An französischen Tankstellen fällt er durch seinen niedrigen Preis und die grüne Kennzeichnung auf: Superéthanol E85, ein Kraftstoffgemisch aus bis zu 85 % Bioethanol. Trotz eines deutlichen Preisvorteils von oft über 30 % gegenüber Super 95 oder Diesel bleibt die Akzeptanz bei Autofahrern in Frankreich verhalten. Die Gründe für diese Zurückhaltung sind vielfältig und reichen von praktischen Hindernissen bis zu hartnäckigen Vorurteilen.
Die technische Hürde: Umrüstung und Fahrzeugkompatibilität
Ein Hauptgrund für die zögerliche Verbreitung ist die notwendige Fahrzeuganpassung. Die meisten älteren Benziner vertragen den hochprozentigen Ethanolkraftstoff nicht ohne Weiteres. Eine Umrüstung mittels einer sogenannten „Bioethanol-Box“ ist erforderlich, die mit Kosten von mehreren hundert Euro verbunden ist. Zwar sind viele neuere Modelle ab Werk „Flex-Fuel“-tauglich, doch ihr Anteil am Gesamtbestand wächst nur langsam. Diese initiale Investition schreckt viele potenzielle Nutzer ab, obwohl sie sich durch die Kraftstoffersparnis oft innerhalb weniger Jahre amortisieren kann.
Reichweitenangst und Tankstellen-Verfügbarkeit
Ein weiterer praktischer Nachteil ist der höhere Verbrauch. Ethanol hat einen geringeren Energiegehalt als Benzin, was zu einem Mehrverbrauch von etwa 20-30 % führt. Dies schmälert den Kostenvorteil teilweise und führt zu häufigeren Tankstopps, was besonders auf langen Strecken als lästig empfunden wird. Zudem ist das Tankstellennetz für E85 zwar im Ausbau, aber noch nicht so flächendeckend wie für konventionelle Kraftstoffe, was insbesondere in ländlichen Regionen Planungssicherheit nimmt.
Psychologische Barrieren und Informationsdefizit
Neben den faktischen Hindernissen spielen auch Bedenken eine große Rolle. Viele Autofahrer sind unsicher bezüglich der Auswirkungen auf Motorleistung, Haltbarkeit des Motors oder die Garantie des Fahrzeugs. Die Angst vor möglichen Schäden durch den alternativen Kraftstoff hält sich hartnäckig, auch wenn Studien und Erfahrungsberichte von zugelassenen Umrüstsystemen diese oft entkräften. Ein allgemeines Informationsdefizit über die Technologie, die Umweltbilanz und die langfristige Wirtschaftlichkeit trägt dazu bei, dass viele Verbraucher beim vertrauten Benzin bleiben.
Zusammenfassend zeigt sich, dass der Erfolg von E85 in Frankreich nicht nur eine Frage des Preises an der Zapfsäule ist. Erst wenn die Hürden bei der Umrüstung sinken, das Tankstellennetz weiter verdichtet wird und Aufklärungsarbeit die verbreiteten Vorurteile abbaut, könnte der Biokraftstoff sein volles Potenzial entfalten.