OBD2 Fehlercode P1493: Diagnose, Ursachen und Reparatur des Leckage-Erkennungssystems

Veröffentlicht von

Was bedeutet der OBD2 Fehlercode P1493?

Der Diagnosefehlercode (DTC) P1493 ist ein herstellerspezifischer Code, der häufig in Fahrzeugen der Volkswagen AG (VW, Audi, Skoda, Seat) sowie bei anderen Marken wie BMW oder Mercedes-Benz auftritt. Die generische Beschreibung lautet „Secondary Air Injection System Leak Detected“ oder auf Deutsch: Leck im Sekundärluftsystem erkannt. Das Motorsteuergerät (ECU) überwacht das Sekundärluftsystem (SAS) auf Undichtigkeiten und hat einen Fehler in der Druck- oder Durchflusskennlinie festgestellt. Ein intaktes Sekundärluftsystem ist entscheidend für eine effiziente Abgasreinigung in der Kaltstartphase.

Die Funktion des Sekundärluftsystems (SAS)

Das Sekundärluftsystem hat eine klare Aufgabe: die schnelle Aufheizung des Katalysators nach einem Kaltstart. Bei niedriger Motortemperatur verbrennt der Motor nicht vollständig, es entstehen viele Kohlenwasserstoffe (HC) und Kohlenmonoxid (CO). Das SAS bläst über eine elektrische Pumpe zusätzliche Luft (Sekundärluft) direkt in den Abgaskrümmer vor den Katalysator. Diese sauerstoffreiche Luft ermöglicht eine Nachverbrennung der Schadstoffe direkt im Abgaskrümmer. Die dabei entstehende Hitze bringt den Katalysator innerhalb von 60-90 Sekunden auf seine optimale Betriebstemperatur von über 400°C.

Wie erkennt das Steuergerät das Leck (P1493)?

Das Motorsteuergerät aktiviert das Sekundärluftsystem nur für kurze Zeit nach einem Kaltstart. Während dieses Aktivierungszeitraums überwacht es indirekt die Funktion:

  • Über die Lambdasonde vor Kat (Bank 1 oder Bank 2): Bei intaktem System sollte die Lambdasonde nach Aktivierung der Pumpe einen stark „mageren“ Gemisch (hoher Sauerstoffgehalt) anzeigen.
  • Über einen Drucksensor oder Durchflusssensor (je nach System): Moderne Systeme haben oft einen Sensor, der den Luftdruck oder -durchfluss im System misst. Bei einem Leck wird ein zu niedriger Druck/Durchfluss gemessen.

Weicht der Sollwert (vom Steuergerät erwartetes Signal) vom Istwert (tatsächlich gemessenes Signal) ab, setzt das ECU nach mehreren Fehlversuchen den Fehlercode P1493 im permanenten Speicher und leuchtet wahrscheinlich die Motorkontrollleuchte (MIL) ein.

Häufige Ursachen für den Fehlercode P1493

Ein Leck im Sekundärluftsystem kann an verschiedenen Stellen auftreten. Die folgenden Komponenten sind die typischen Verdächtigen, geordnet nach Häufigkeit.

1. Defektes oder verschmutztes Sekundärluftventil (Kombiventil)

Das Sekundärluftventil ist die häufigste Fehlerquelle. Es hat zwei Aufgaben: die Luft von der Pumpe zum Motor zu leiten und zu verhindern, dass Abgase oder Kondenswasser zurück in die Pumpe fließen. Das Ventil kann mechanisch blockieren, sein Magnetventil kann defekt sein oder die Membran kann undicht werden. Rost und Kondensat aus dem Abgassystem zerstören das Ventil langsam.

2. Undichte oder gerissene Schläuche und Leitungen

Die Gummischläuche und Kunststoffleitungen, die die Pumpe mit dem Ventil und den Abgaskrümmer verbinden, werden durch Hitze und Alterung spröde. Sie können Risse bekommen oder sich von ihren Anschlussstutzen lösen. Auch die Dichtungen an den Verbindungsstellen können hart und undicht werden.

3. Defekte Sekundärluftpumpe

Die elektrische Pumpe selbst kann ausfallen. Die Lager können sich festfressen, der Motor kann durchbrennen oder die Flügelrad können brechen. Eine defekte Pumpe liefert keinen oder einen zu geringen Luftstrom, was vom Steuergerät ebenfalls als „Leck“ interpretiert werden kann. Oft ist ein lautes Heulen oder Rattern beim Kaltstart ein Vorzeichen.

4. Probleme mit Sensoren oder der Elektrik

Obwohl P1493 direkt auf ein Leck hinweist, können auch elektrische Probleme den Fehler auslösen:

  • Defekter Drucksensor/Durchflusssensor für das SAS
  • Unterbrochene oder korrodierte Kabel und Stecker zum Ventil oder zur Pumpe
  • Defektes Relais für die Sekundärluftpumpe
  • Selten: Softwareproblem im Motorsteuergerät

Schritt-für-Schritt Diagnose und Fehlerbehebung bei P1493

Eine systematische Diagnose spart Zeit und Geld. Sie benötigen einen OBD2-Scanner, ein Multimeter und grundlegende Werkzeuge.

Schritt 1: Fehlercode auslesen und Live-Daten beobachten

Lesen Sie den Fehlerspeicher mit einem Scanner aus und notieren Sie alle vorhandenen Codes. Löschen Sie den Fehler und führen Sie einen Kaltstart durch (Motor kalt, unter 40°C). Beobachten Sie während des Starts die Live-Daten des Scanners. Suchen Sie nach Parametern wie „Sekundärluftventil Status“ (sollte auf EIN/ON gehen) oder „Sekundärluftpumpe Status“. Bei vielen Fahrzeugen können Sie auch den Befehl „Aktorkenntest“ nutzen, um Ventil und Pumpe manuell zu aktivieren.

Schritt 2: Visuelle Inspektion des gesamten Systems

Bei kaltem Motor inspizieren Sie alle sichtbaren Komponenten:

  • Schläuche und Leitungen: Auf Risse, Brüche, Löcher und lockere Verbindungen prüfen. Ziehen Sie die Schläuche fest an.
  • Sekundärluftventil: Oft am Zylinderkopf oder im Ansaugbereich montiert. Prüfen Sie auf äußere Beschädigungen und Korrosion.
  • Sekundärluftpumpe: Meist im vorderen Radhaus oder im Motorraum. Hören Sie beim Kaltstart: Macht die Pumpe ein normales surrendes Geräusch oder heult/rattert sie?

Schritt 3: Funktionstest der elektrischen Komponenten

Prüfen Sie die Spannungsversorgung der Pumpe und des Ventils mit dem Multimeter (bei aktiviertem System). Messen Sie den Widerstand der Magnetspule des Ventils. Ein typischer Wert liegt zwischen 10 und 30 Ohm. Ein Widerstand von „unendlich“ (offen) oder nahe 0 Ohm (Kurzschluss) deutet auf einen Defekt hin. Prüfen Sie auch die Masseverbindung.

Schritt 4: Manuelle Leckageprüfung

Eine einfache Methode ist der „Handtest“. Trennen Sie den Schlauch zwischen Pumpe und Ventil. Lassen Sie einen Helfer den Motor kalt starten (oder aktivieren Sie das System per Aktorkenntest). Sie sollten einen starken, gleichmäßigen Luftstrom aus der Pumpe spüren. Prüfen Sie dann den Weg vom Ventil zum Motor: Ist der Luftstrom nach dem Ventil deutlich schwächer, ist das Ventil wahrscheinlich verstopft oder defekt.

Reparatur und Kosten: Was tun bei P1493?

Die Reparaturkosten hängen stark von der defekten Komponente und der Marke des Fahrzeugs ab.

Ersatz der defekten Teile

Oft ist der Austausch des Sekundärluftventils die Lösung. Dieses kostet je nach Fahrzeug zwischen 50 und 200 Euro. Der Einbau ist meist gut machbar. Bei undichten Schläuchen ersetzen Sie diese am besten als Komplettsatz. Eine neue Sekundärluftpumpe ist mit Abstand die teuerste Komponente (150 bis 500 Euro). Verwenden Sie nach Möglichkeit OEM-Qualitätsteile oder Markenware von Herstellern wie Pierburg, die das System ursprünglich geliefert haben.

Kann man mit P1493 weiterfahren? Mögliche Folgen

Das Fahrzeug ist mit gespeichertem P1493 fahrtauglich, da das System nach der Kaltstartphase ohnehin abgeschaltet wird. Die Folgen sind jedoch erhöhte Schadstoffemissionen (HC, CO) besonders bei Kurzstrecken, da der Katalysator länger braucht, um warm zu werden. Langfristig kann dies den Katalysator überlasten und seine Lebensdauer verkürzen. Zudem führt der Fehler in den meisten Ländern zum Nichtbestehen der Abgasuntersuchung (AU). Eine zügige Reparatur ist daher ratsam.

Fehlercode nach der Reparatur löschen

Nach dem Austausch der defekten Komponente löschen Sie den Fehlerspeicher mit Ihrem OBD2-Scanner. Führen Sie anschließend mehrere Kaltstarts durch, um zu prüfen, ob der Fehler P1493 nicht wieder auftaucht. Das Steuergerät benötigt oft 1-3 fehlerfreie Fahrzyklen, um die Motorkontrollleuchte (MIL) selbstständig auszuschalten.

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert