Fachkräftige Kritik an Teslas Autopilot-Strategie
Die Debatte um die Zukunft des autonomen Fahrens hat eine neue, gewichtige Stimme erhalten. John Krafcik, der ehemalige CEO des Google-Schwesterunternehmens Waymo, hat die Technologiestrategie von Tesla scharf kritisiert. Als einer der Pioniere der Branche wirft er dem Elektroauto-Hersteller vor, mit seinem „Full Self-Driving“-System (FSD) einen grundlegend falschen Weg einzuschlagen.
Der Vorwurf der „fundamentalen Kurzsichtigkeit“
Krafciks zentrale These lautet, dass Teslas FSD-System unter einer „schweren Kurzsichtigkeit“ leide. Damit meint er nicht die technischen Fähigkeiten der Kameras, sondern den konzeptionellen Ansatz. Tesla setzt im Gegensatz zu vielen Wettbewerbern wie Waymo oder Cruise fast ausschließlich auf Kameras und radarbasierte Sensoren (Tesla Vision), verzichtet aber auf präzise vorab kartierte Umgebungen und hochauflösende Lidar-Sensoren. Laut Krafcik ist dieser reine „Vision“-Ansatz von Natur aus limitiert, da er die komplexe und unvorhersehbare reale Welt nicht zuverlässig genug erfassen und vorhersagen könne.
Zwei Philosophien prallen aufeinander
Die Kritik offenbart den tiefen Graben zwischen zwei Philosophien des autonomen Fahrens. Auf der einen Seite steht Teslas inkrementeller Ansatz: Ein System, das durch Millionen von Fahrkilometern „realer“ Nutzer stetig dazulernt und sich verbessern soll. Auf der anderen Seite steht der Weg von Waymo, der auf redundante, hochpräzise Sensorik (Lidar, Radar, Kameras) und detaillierte 3D-Karten setzt, bevor ein Fahrzeug überhaupt in einem Gebiet fährt. Krafcik hält diesen Weg für sicherer und technisch ausgereifter, auch wenn er teurer und weniger skalierbar ist.
Die Reaktion der Tesla-Gemeinde auf solche Kritik fällt typischerweise gespalten aus. Während viele Anhänger auf die rasante Entwicklung und die regelmäßigen Software-Updates verweisen, teilen andere Experten die Bedenken hinsichtlich der grundlegenden Sicherheitsphilosophie. Die Diskussion zeigt, dass der Weg zum vollautonomen Fahrzeug noch immer unklar ist und der technologische Wettlauf weiterhin mit voller Härte geführt wird.