Die Elektrowende als bequemer Schuldiger?
Der Automobilkonzern Stellantis steht vor enormen finanziellen Herausforderungen. Nach der Ankündigung außerordentlicher Belastungen in Milliardenhöhe richtete sich der Fokus der Unternehmensführung schnell auf die Kosten der Elektromobilität. Diese einseitige Erklärung wirft Fragen auf. Zwar stellt die Umstellung auf E-Autos für alle Hersteller eine gewaltige industrielle und finanzielle Aufgabe dar, doch als alleiniger Sündenbock für strukturelle Schwächen taugt sie kaum.
Strukturelle Probleme im Rückspiegel
Die aktuelle Diskussion verdeckt oft langfristige Herausforderungen, die unabhängig vom Antriebsstrang bestehen. Dazu gehören hohe Fixkosten durch eine historisch gewachsene, komplexe Modellpalette, Ineffizienzen aus Fusionen und der anhaltende Druck, in konventionellen Technologien wie Verbrennern und Hybriden wettbewerbsfähig zu bleiben. Die Transformation belastet die Bilanz, ist aber nicht deren Ursprung.
Ein strategisches Kommunikationsmittel
Die öffentliche Zuschreibung aller Probleme zur Elektromobilität kann auch als strategisches Manöver interpretiert werden. Es lenkt von unternehmensspezifischen Schwierigkeiten ab und appelliert gleichzeitig an politische Instanzen, möglicherweise mit dem Ziel, regulatorische Vorgaben zu lockern oder Subventionen zu erhöhen. Der „Sündenbock Elektroauto“ vereinfacht eine hochkomplexe Gemengelage.
Die eigentliche Weichenstellung
Die Zukunft von Stellantis wird nicht davon bestimmt, ob die Elektromobilität teuer ist – das ist sie für alle. Entscheidend ist, wie das Unternehmen seine internen Prozesse, seine Kostenstruktur und seine Technologie-Strategie an das neue Zeitalter anpasst. Die Fähigkeit, trotz hoher Investitionen in die Zukunft gleichzeitig profitabel zu bleiben, ist der eigentliche Gradmesser für nachhaltigen Erfolg und zeigt, ob tiefgreifende Reformen gelingen.