Eine weltweite Uneinigkeit auf der Fahrbahn
Seit über einem Jahrhundert prägt das Automobil unsere Mobilität. Doch in einer grundlegenden Frage herrscht bis heute globale Zwietracht: Auf welcher Straßenseite soll man fahren? Während etwa zwei Drittel der Weltbevölkerung rechts fährt, halten rund zwei Milliarden Menschen in zahlreichen Ländern an der linken Fahrbahnseite fest. Diese tief verwurzelte Trennung hat historische, praktische und wirtschaftliche Konsequenzen, die bis in die Gegenwart reichen.
Historische Wurzeln der Verkehrsrichtung
Die Ursprünge dieser Teilung liegen oft in vergangenen Jahrhunderten. In vielen europäischen feudalen Gesellschaften war es für Rechtshänder, die in der Mehrheit waren, vorteilhaft, links zu reiten. So konnte die rechte, stärkere Hand frei bleiben, um ein Schwert gegen entgegenkommende Reiter zu führen. Mit der Französischen Revolution und später Napoleon änderte sich dies in vielen eroberten Gebieten aus politischen Gründen bewusst – die Aristokraten ritten links, das revolutionäre Volk sollte rechts gehen und fahren. Großbritannien, das von Napoleon nicht erobert wurde, behielt die linke Seite bei und verbreitete diese Regel in seinem großen Kolonialreich.
Die praktischen und wirtschaftlichen Folgen
Diese historische Zufälligkeit hat direkte, kostspielige Auswirkungen. Automobilhersteller müssen Fahrzeuge in zwei unterschiedlichen Versionen entwickeln: Linkslenker für den größten Teil der Welt und Rechtslenker für Märkte wie Großbritannien, Japan, Australien oder Südafrika. Dies verursacht erhebliche Mehrkosten in Entwicklung und Produktion. Für Liebhaber klassischer Fahrzeuge bedeutet dies oft komplizierte und teure Importe, wenn sie ein Auto aus einem Land mit anderer Fahrseite erwerben möchten.
Warum gibt es keine globale Einigung?
Eine weltweite Angleichung erscheint logisch, ist aber praktisch unmöglich. Der Aufwand für die Umstellung der gesamten Verkehrsinfrastruktur – von Beschilderungen über Kreisverkehre bis zu mehrspurigen Straßen – in einem Land wäre astronomisch hoch und mit enormen Sicherheitsrisiken während einer Übergangsphase verbunden. Die etablierte Praxis, einmal tief in einem Verkehrssystem verankert, lässt sich nicht mehr ohne weiteres ändern. So bleibt die Welt in dieser Frage gespalten, ein lebendiges Relikt der Geschichte auf dem Asphalt.