OBD2 Fehlercode P1499: Diagnose und Reparatur des Leckageerkennungssystems

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Was bedeutet der OBD2 Fehlercode P1499?

Der OBD2-Diagnosefehlercode P1499 ist ein herstellerspezifischer Code, der in erster Linie bei Fahrzeugen der Volkswagen AG (VW, Audi, Skoda, Seat) sowie bei einigen BMW- und Mercedes-Modellen auftritt. Die generische Beschreibung lautet „Leckageerkennungssystem – Fehlfunktion“ oder „Kraftstoffdampf-Leckageerkennungspumpe – Stromkreis“. Im Kern signalisiert dieser Code ein Problem innerhalb des erweiterten Evaporative Emission Control (EVAP)-Systems, genauer gesagt in dessen Fähigkeit, kleinste Leckagen im Kraftstoffsystem zu erkennen und zu überwachen.

Das System, das hier typischerweise betroffen ist, wird als DMTL (Dichtheitsprüfung für Motor- und Tankleckage) oder manchmal als LDP (Leak Detection Pump) bezeichnet. Seine Aufgabe ist es, in bestimmten Fahrzyklen (oft nach dem Abstellen des Motors) das gesamte Kraftstoffsystem auf Dichtheit zu prüfen. Tritt der Code P1499 auf, hat die Motorsteuereinheit (ECU) eine Unregelmäßigkeit in der Funktion oder im elektrischen Stromkreis dieser Pumpe bzw. des gesamten Prüfsystems festgestellt.

Ursachen und Symptome des Fehlers P1499

Die Aktivierung der Motorkontrollleuchte (MIL) ist das häufigste, manchmal auch das einzige Symptom. Da es sich um ein Überwachungssystem handelt, beeinträchtigt der Fehler zunächst nicht die direkte Fahrleistung. Allerdings kann ein dauerhaft aktiver Fehler zur Ablehnung bei der Abgasuntersuchung (AU) führen. Die Ursachen sind vielfältig und reichen von einfachen elektrischen Problemen bis zu komplexen mechanischen Defekten.

Häufige Ursachen für den P1499 Fehlercode

  • Defekte DMTL-Pumpe (Leckageerkennungspumpe): Die elektrische Pumpe selbst ist ausgefallen oder ihre internen Ventile sind defekt. Dies ist die häufigste Ursache.
  • Offener oder kurzer Stromkreis: Beschädigte Kabel, lockere oder korrodierte Steckverbindungen zur DMTL-Pumpe oder zum Drucksensor.
  • Defektes Magnetventil für die Dichtheitsprüfung: Ein separates Ventil, das den Prüfvorgang steuert, kann kleben oder einen elektrischen Defekt haben.
  • Verstopfte oder abgeknickte Leitungen: Die dünnen Schläuche, die die DMTL-Pumpe mit dem Tank und der Atmosphäre verbinden, können durch Schmutz, Kondenswasser oder mechanische Beschädigung blockiert sein.
  • Probleme mit der Tankentlüftung: Ein defekter Tankdeckel oder ein blockierter Entlüftungskanister (Aktivkohlefilter) können den Prüfdruckvorgang stören.
  • Fehler in der Motorsteuergeräte-Software: In seltenen Fällen kann ein Software-Update des Steuergeräts erforderlich sein.

Typische Symptome, die Sie bemerken könnten

  • Motorkontrollleuchte (Gelbes Motorsymbol) ist dauerhaft oder intermittierend eingeschaltet.
  • Der Fehlercode P1499 wird im Diagnosespeicher angezeigt, möglicherweise zusammen mit verwandten EVAP-Codes wie P0440, P0441 oder P0455.
  • Bei einigen Fahrzeugen kann eine leichte Veränderung des Leerlaufverhaltens auftreten, da das Steuergerät in einen Notlaufmodus wechselt.
  • Eventuell ist bei laufendem Motor im Bereich des Tanks oder der Radhäuser ein ungewöhnliches Surren oder Pumpgeräusch der defekten Pumpe zu hören.

Schritt-für-Schritt Diagnose des P1499 Codes

Eine systematische Diagnose ist entscheidend, um die genaue Fehlerquelle zu identifizieren und teure Teiletausche zu vermeiden. Sie benötigen einen professionellen OBD2-Scanner oder ein Diagnosegerät, das herstellerspezifische Codes und Live-Daten auslesen kann.

1. Vorbereitung und Sichtprüfung

Beginnen Sie mit einer gründlichen Sichtprüfung. Lokalisieren Sie die DMTL-Pumpe (oft im Bereich des Radhauses hinten rechts oder in der Nähe des Kraftstofftanks). Prüfen Sie alle sichtbaren Schläuche und elektrischen Stecker auf Beschädigungen, Korrosion, Ablösungen oder Knicke. Überprüfen Sie den Tankdeckel auf einen intakten Dichtring und korrekten Sitz.

2. Elektrische Prüfung der DMTL-Pumpe

Stecken Sie den Stecker der Pumpe ab. Bei Zündung EIN sollte an den beiden Pins des Fahrzeugsteckers eine Versorgungsspannung anliegen (oft Batteriespannung über ein Relais). Mit einem Multimeter können Sie den Widerstand der Pumpe messen. Ein Widerstand im Bereich von 10-30 Ohm ist typisch. Ein Widerstand von „unendlich“ (offen) oder nahe 0 Ohm (Kurzschluss) deutet auf einen defekten Pumpenmotor hin.

3. Funktionsprüfung und Drucktest

Fortgeschrittene Diagnose erfordert die Überwachung der Systemparameter. Mit einem geeigneten Scanner können Sie die DMTL-Pumpe oft aktivieren („Aktortest“). Hören Sie, ob die Pumpe surrt. Ein weiterer kritischer Schritt ist die manuelle Dichtheitsprüfung des EVAP-Systems. Dazu wird ein Rauchgenerator oder ein manuelles Druckprüfgerät an der Tankentlüftungsleitung angeschlossen. So lassen sich auch kleinste Leckagen finden, die das System in einen Fehlerzustand versetzen könnten.

4. Auswertung der Live-Daten

Im Live-Datenstrom des Scanners suchen Sie nach Parametern wie „EVAP Test Status“, „DMTL Pump Current“, oder „Fuel Tank Pressure“. Während eines Prüfzyklus sollten charakteristische Druckänderungen oder Stromaufnahmewerte der Pumpe sichtbar sein. Abweichungen von den Sollwerten geben Aufschluss über die Art des Defekts (z.B. blockierte Leitung bei zu hohem Strom).

Reparatur und Lösungsansätze für P1499

Nach der erfolgreichen Diagnose folgt die gezielte Reparatur. Die Maßnahmen reichen von einfachen Reinigungsarbeiten bis zum Austausch von Komponenten.

Einfache Reparaturen und Erstmaßnahmen

  • Reinigung von Steckverbindungen: Kontakte mit Kontaktspray reinigen und sicher wieder verbinden.
  • Freipusten von Leitungen: Vorsichtig mit Druckluft die dünnen Schläuche der DMTL-Pumpe von beiden Seiten freipusten, um mögliche Blockaden zu beseitigen.
  • Tankdeckel tauschen: Einen nicht dichtenden oder alten Tankdeckel gegen einen originalen Neuteil austauschen.
  • Fehlerspeicher löschen und Monitor fahren: Nach kleinen Reparaturen den Fehler löschen und mehrere Fahrzyklen (inkl. Kaltstarts und Standzeiten) absolvieren, um zu prüfen, ob der Fehler wieder auftritt.

Austausch von defekten Komponenten

Wenn die einfachen Maßnahmen nicht helfen, müssen Komponenten getauscht werden:

  • Austausch der DMTL-Pumpe: Dies ist die häufigste Reparatur. Die Pumpe ist meist als komplettes Modul mit integrierten Ventilen und Filtern erhältlich. Achten Sie auf Originalteilqualität (OEM).
  • Austausch von Ventilen oder Sensoren: Defekte Magnetventile oder Drucksensoren im EVAP-System müssen einzeln getauscht werden.
  • Tausch von Leitungen und Schläuchen: Beschädigte oder poröse Schläuche müssen durch neue, kraftstoffbeständige Leitungen ersetzt werden.

Wichtig: Nach jedem Austausch einer größeren Komponente muss der Fehlerspeicher gelöscht werden. Zudem müssen die sogenannten „Ready Monitors“ – insbesondere der EVAP-Monitor – durch das Absolvieren der spezifischen Fahrbedingungen (Drive Cycle) wieder auf „bereit“ gesetzt werden, um die AU zu bestehen.

Fazit: P1499 ist ein systematisch lösbarer Fehler

Der OBD2-Code P1499 weist auf eine Störung im hochsensiblen Leckageerkennungssystem Ihres Fahrzeugs hin. Während er die Fahrtüchtigkeit nicht unmittelbar beeinträchtigt, ist er dennoch ernst zu nehmen, da er auf undichte Stellen im Kraftstoffsystem hinweisen kann und zur AU-Ablehnung führt. Mit einer strukturierten Diagnose – angefangen bei der Sichtprüfung über elektrische Messungen bis hin zur Druckprüfung – lässt sich die Ursache zuverlässig eingrenzen. In den meisten Fällen führt der Austausch der DMTL-Pumpe zur dauerhaften Lösung. Bei Unsicherheiten sollte stets eine Fachwerkstatt mit Erfahrung in Abgas- und EVAP-Systemen konsultiert werden.

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